Geheimnis des Gifttransports von Botox gelüftet

mp Hannover - Das Nervengift Botulinum schnürt ein raffiniertes Giftpäckchen.mp Hannover - Das Nervengift Botulinum schnürt ein raffiniertes Giftpäckchen.Dinah Hanke / pixelio.de

Mit Botulinumtoxin, dem Gift des Clostridium botulinum Bakteriums, behandeln Mediziner erfolgreich schwere Bewegungsstörungen. Als Botox spielt es bei kosmetischer Faltenglättung eine wichtige Rolle. Der Wissenschaftler Dr. Andreas Rummel und sein Team von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben jetzt zusammen mit amerikanischen Kollegen geklärt, wie das Bakterium sein Nervengift in das Blut des Menschen schleust. Ist das Bakterium in verdorbenem Fleisch oder Fisch enthalten, führt es zu schweren Lebensmittelvergiftungen. Dabei gelangt sein hochmolekulares Eiweiß ins Blut. "Das ist höchst verwunderlich und einmalig in der Natur, denn Eiweiße kommen normalerweise nicht in ihrer ursprünglichen Form im Blut an, sondern werden zuvor von Magensaft und Bauchspeicheldrüsen-Enzymen zerlegt", erklärt Rummel. Raffiniert: Das Bakterium verschnürt sein Gift in ein „Paket“. Erst im Darm öffnet sich das Paket und das freigelassene Gift kann durch die Darmwand ins Blut gelangen. Hierzu nutzt das Bakterium die unterschiedlichen pH-Werte der verschiedenen Darmabschnitte. Ein pH-Sensor am Paket misst den neutralen pH-Wert im unteren Darmabschnitt und löst zum geeigneten Zeitpunkt die Gift-Freigabe aus.Diese Erkenntnisse ermöglichen es den Forschern nun, Arzneistoffe auf Eiweißebene, die bisher intravenös verabreicht werden müssen, für eine orale Verabreichung verfügbar zu machen. Dazu gehört zum Beispiel Insulin. Die neu gewonnenen Ergebnisse könnten die Behandlung von Diabetes erleichtern, aber auch vieler anderer Krankheiten.