Wieder mehr Erkrankungen an der Schilddrüse?

mp Göttingen - Während der Stillzeit haben Mütter, aber auch ihre Säuglinge, einen deutlich erhöhten Bedarf an Jod.mp Göttingen - Während der Stillzeit haben Mütter, aber auch ihre Säuglinge, einen deutlich erhöhten Bedarf an Jod.
Lisa Schwarz / pixelio.de
In den vergangenen Jahren machte Deutschland deutliche Fortschritte in der Jodversorgung der Bevölkerung. Inzwischen verwenden nahezu 80 Prozent der privaten Haushalte Jodsalz. Doch nun warnt die Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. in Göttingen vor einer Verschlechterung der Situation. Der Grund: Immer weniger Unternehmen der Lebensmittelindustrie salzen ihre Produkte mit jodiertem Speisesalz. Die Ursache, so die Experten, liegen in der zunehmenden Internationalisierung der Lebensmittelindustrie. Großfirmen, die für den internationalen Markt produzieren, sind darauf angewiesen, identische Produkte für den globalen Markt herzustellen. Die einheitliche Verwendung von jodiertem Speisesalz ist aufgrund der international unterschiedlichen, gesetzlich empfohlenen Obergrenze für die Aufnahme von Jod jedoch nicht möglich. Deshalb stellen die Unternehmen immer öfter auf die Verwendung von nicht jodiertem Salz um. Aus diesem Grund erwarten die Nuklearmediziner in Deutschland eine Zunahme von Schilddrüsenvergrößerungen mit und ohne knotigen Veränderungen. Zudem sei von einer steigenden Zahl der sogenannten "heißen Knoten" und einer daraus resultierenden Schilddrüsenüberfunktion auszugehen. Besonders bei jüngeren Frauen sei bereits jetzt eine Jod-Unterversorgung zu erkennen. Auch während einer Schwangerschaft und der Stillzeit gebe es einen deutlich höheren Bedarf an Jod, sowohl für die Mutter, wie auch das ungeborene Kind und das Neugeborene. Auch Datenerhebungen der vergangenen drei Jahre deuten auf einen Rückgang der zuvor deutlich verbesserten Jodversorgung von Kindern in Deutschland hin. Das Robert-Koch-Institut hat nun eine bundesweite, repräsentative Erhebung der Jodversorgung in Deutschland bei Erwachsenen durchgeführt. Die Auswertung der Daten wird im Sommer 2012 erwartet.