Tierversuch macht Querschnittsgelähmten Hoffnung

mp Lausanne - Den Rollstuhl einfach stehen lassen – neue Forschungsergebnisse machen dies in ein paar Jahren vielleicht möglich.mp Lausanne - Den Rollstuhl einfach stehen lassen – neue Forschungsergebnisse machen dies in ein paar Jahren vielleicht möglich.
Rainer Sturm / pixelio.de
Die querschnittsgelähmte Ratte ist an einer Apparatur befestigt, so dass sie sich mit den Hinterbeinen wie ein Mensch fortbewegen kann. Mit der Laufhilfe rennt sie eine kurze Strecke und sogar ein paar kleine Treppenstufen herauf – trotz durchtrennten Rückenmarks. Mit diesem Tierexperiment ist es dem Forscher Dr. Grégoire Courtine von der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) gelungen nachzuweisen, dass einige Nervenfasern, die noch Kontakt zum Gehirn haben, die Stelle des durchtrennten Rückenmarks überbrücken können. Erstaunlich: Dort, wo sie durchtrennt wurden, sind sie durch ausdauerndes Reha-Training wieder nachgewachsen. Über die durchtrennten Fasern haben sie langsam eine stabile Verbindung aufgebaut, mit der sich die gelähmten Extremitäten kontrolliert bewegen lassen. Allerdings müssen Gehirn und Rückenmark erst lernen, sie so auszubauen, dass die motorischen Signale an den richtigen Stellen ankommen. Wie ärztezeitung.de berichtet, injizierten die Forscher den Ratten eine Woche nach Durchtrennung des Rückenmarks einen Medikamentencocktail. Anschließend reizten sie das Rückenmark fünf bis zehn Minuten mit Elektroden. Dadurch wurde eine Verbindung zwischen Rückenmark und Gehirn simuliert. Dann kamen die Tiere mit einer elektrochemischen Neuroprothese aufs Laufband. Zwar bewegten sie ihre Hinterbeine, jedoch ohne sie willentlich steuern zu können. Anschließend kamen die so trainierten Ratten in einen Laufroboter. Mit einem Stück Schokolade am Ende der Strecke wurde ihr Wille zu laufen, unterstützt. Nach zwei bis drei Wochen harten Trainings waren die Ratten in der Lage, erste selbstständige Schritte zu machen, und kurze Zeit später mühelos Treppen und Hindernisse zu bewältigen. „Die Versuche eröffnen völlig neue Perspektiven, um Menschen mit Rückenmarksverletzungen zu behandeln“, hofft Courtine. Ob die Ergebnisse tatsächlich auf Menschen übertragbar sind, wird sich in klinischen Studien zeigen.