Therapeutischer Nutzen aus Reparaturprozessen am Erbgut durch menschliche Zellen

Reparaturprozesse im menschlichen Körper verlaufen sehr komplex und lassen sich möglicherweise therapeutisch nutzen. Menschliche Zellen haben Mechanismen entwickelt, die in der Lage sind, zufällig entstehende Schäden im Erbgut (DNS) zu reparieren und schädliche Mutationen zu verhindern. Zu diesem Zweck werden zahlreiche Reparatur- und Signalproteine an der Schadensstelle rekrutiert, gesteuert wird dieser Prozess unter anderen durch Modifikation mit kleinen Proteinen.In einer aktuellen Studie an der Universität Duisburg-Essen (UDE) konnten die Forscher zeigen, dass Reparaturkomplexe dynamisch sind. Das Protein VCP/p97 zum Beispiel, eine Art Nanomaschine, entfernt bestimmte Faktoren wieder. Damit werden die Reparaturkomplexe so verändert, dass andere wichtige Faktoren entstehen und genutzt werden können. Dabei ist medizinisch relevant, dass VCP/p97 im Prinzip pharmakologisch gesteuert werden kann.Daraus ergibt sich laut Prof. Hemmo Meyer vom Zentrum für Medizinische Biotechnologie an der UDE eventuell die Möglichkeit, die Wirkung der Strahlentherapie bei Krebserkrankungen zu verstärken. Strahlen verursachen hohe, meist tödliche Schäden in der Erbgutstruktur von Krebszellen. Diese therapeutische Wirkung könnte zusätzlich verstärkt werden, wenn gleichzeitig der üblicherweise einsetzende Reparaturmechanismus mit VCP/p97 pharmakologisch gehemmt würde. Vielleicht könne sogar die Strahlendosis gesenkt werden einschließlich ihrer unerwünschten Nebenwirkungen. (Prof. Dr. Hemmo Meyer, Tel. 0201 / 183-4217, hemmo.meyer@uni-due.de).