Sucht im Alter

mp Bad Fredeburg - Ein Glas Wein ist schnell ein Glas Wein zuvielmp Bad Fredeburg - Ein Glas Wein ist schnell ein Glas Wein zuvielMarkus Vogelbacher / pixelio.de

Sucht - so die landläufige Meinung - ist in der Hauptsache ein Problem junger Erwachsener. Immer wieder gerät der Alkoholmissbrauch im Jugendalter in die Schlagzeilen. Was aber viele nicht wissen: Auch ältere und pflegebedürftige Menschen leiden weitaus häufiger an Suchterkrankungen als man vermuten möchte.Dr. Dieter Geyer, leitender Arzt der Fachklinik Fredeburg und einer der führenden Suchtexperten in Deutschland, äußert sich dazu folgendermaßen: „Sucht galt lange als Phänomen jüngerer Menschen. Zu unrecht. Sucht im Alter wird immer mehr zu einem ernsthaften Problem. Jeder siebte Pflegebedürftige hat ein Suchtproblem. Bei den über 60-Jährigen sind über 400 000 Menschen alkoholkrank. Hinzu kommen andere Suchterkrankungen, vor allem die Medikamentenabhängigkeit.“Die Gründe für das Ansteigen der Suchttendenz im Alter können vielseitig sein: Probleme mit einer positiven Definition des Alterns, Schwierigkeiten mit der Allgegenwart von Krankheit und Tod, Depression und Trauer zählen bestimmt zu den gewichtigsten. Dass in Deutschland die Tendenz zur sozialen Toleranz von Alkohol als Stimmungsmacher vorherrscht, verschärft die Problematik. Der Körper eines älteren Menschen verstoffwechselt die Gifte, die über Suchtmittel zugeführt werden, sehr viel schlechter als der eines jungen Menschen. Gesundheitliche Schädigungen treten daher schnell zutage. Zu den stark gesundheitsgefährdenden legalen Drogen zählen neben Alkohol auch Schlaf- Beruhigungs- und Schmerzmittel, die über die akute Phase hinaus eingenommen werden. Laut Dr. Geyer kann bei diesen Medikamenten schon ein Anwendungszeitraum von vier bis sechs Wochen zur Abhängigkeit führen. Gegen einen maßvollen Schluck Wein hat allerdings auch der Suchtexperte Dr. Geyer nichts einzuwenden. Sein Tipp: „Trinken Sie maßvoll. Das bedeutet für Frauen ein Glas Wein pro Tag, für Männer maximal das Doppelte. Und legen Sie pro Woche zwei bis drei alkoholfreie Tage ein. Und wenn der Partner das gesunde Maß nicht findet, ist er daraufhin anzusprechen. Sucht ist eine Krankheit und die Betroffenen brauchen unsere Hilfe. Aber die gute Nachricht ist: Die Krankheit Sucht kann man heilen.“