Sprachsteuerung durch die linke Gehirnhälfte

mp Frankfurt/Main - Zur flüssigen Sprachproduktion gehört auch das flüssige Verstehen der eigenen Sprache.mp Frankfurt/Main - Zur flüssigen Sprachproduktion gehört auch das flüssige Verstehen der eigenen Sprache.
Gerd Altmann / pixelio.de

Schon lange ist bekannt, dass es im Gehirn für bestimmte Prozesse eine Aufteilung auf die linke und rechte Gehirnhälfte gibt. Dieses Phänomen nennt sich Lateralisation und gilt auch für das Sprechen. Signale zur Steuerung von Kehlkopf, Zunge und Lippen stammen vorrangig aus der linken Gehirnhälfte, während die Analyse und Verarbeitung der gehörten Sprache mit beiden Gehirnhälften erfolgen kann.Um stotterfrei - also fließend - sprechen zu können, müssen das Sprechen und das Hören der eigenen Sprache in einer bestimmten Feedback-Schleife gekoppelt sein. Im Experiment zeigt sich, dass schon eine leichte zeitliche Verschiebung auch beim guten Sprecher zum unflüssigen Sprechen führen kann (Lee- Effekt*). Forscher beschäftigen sich schon seit Langem mit diesem speziellen System der „Sprach- Rückkopplung“.Der Gehirnforscher Dr. Christian Kell untersucht an der Klinik für Neurologie der Goethe-Universität Frankfurt im Zusammenhang mit dem Stottern die Aktivität der beiden Gehirnhälften vor dem Hintergrund dieser Feedback-Schleife. "Das Gehirn macht eine Vorhersage über das, was wir hören werden. Stimmt diese nicht mit dem akustischen Signal überein, nimmt es eine Korrektur vor", erklärt der Wissenschaftler. Vielfältige Untersuchungen mit Hilfe der MEG (Magnetenzephalographie) deuten darauf hin, dass es eine linkslastige Verarbeitung speziell der Sprachsignale gibt. Diese setzt erst nach der Geburt ein und gilt für bestimmte höhere Frequenzbereiche. Das Sprechen wird also gewissermaßen zum Großteil „mit Links“ erlernt. Eventuell arbeitet die linke Gehirnhälfte bei der Sprachverarbeitung einfach etwas schneller, als die rechte. Das zumindest würde die vermehrten Signale aus der linken Hemisphäre mit erklären.Therapeutisch hat sich die Beschäftigung mit dem Rückkopplungssystem der Sprache schon bewährt, zahlreiche Anwendungen nehmen gezielt Einfluss auf den Kreislauf „Verstehen - Sprechen - Verstehen“. "Durch veränderte Sprechmuster, wie sie in Verhaltenstherapien erlernt werden, oder durch das Tragen eines speziellen Hörgeräts, lässt sich dies gezielt verändern, so dass die Betroffenen wieder flüssig sprechen können", so Dr. Kell. Auch bei Sprachstörungen, die durch den Morbus Parkinson verursacht sind, kann die Therapie erfolgreich angewendet werden.*Nach dem am. Forscher Bernhard S. Lee (1950)