Selbstmordplanungen von Jugendlichen ernst nehmen

mp Bochum - Jugendliche haben häufig vorübergehend Selbstmordgedanken. Kündigen sie einen Suizid an, sollte dies sehr ernst genommen werden.mp Bochum - Jugendliche haben häufig vorübergehend Selbstmordgedanken. Kündigen sie einen Suizid an, sollte dies sehr ernst genommen werden.
Thomas Max Müller / pixelio.de

Eltern oder Freunde sollten die Selbstmorddrohungen von Jugendlichen sehr ernst nehmen. Und zwar unabhängig davon, wie demonstrativ oder entschlossen die Ankündigung des Freitods ist. Denn etwa die Hälfte aller Jugendlichen, die einen Selbstmord begingen, haben diesen in den letzten 24 Stunden vor der Tat angekündigt. Suizide stehen bei Jugendlichen an zweiter Stelle der Todesursachen. Experten raten Eltern daher bei einer Selbstmordankündigung oder versuchtem Selbstmord unmittelbar einen Jugendpsychologen aufzusuchen. Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP) erklärt, warum: „Jugendliche sprechen unmittelbar danach offener über ihre Problematik, da sich ein so genanntes kommunikatives Zeitfenster ergibt. Bereits wenige Stunden später können sie sich schon wesentlich verschlossener verhalten.“ Eine zeitnahe fachärztliche Betreuung ist auch deshalb wichtig, um Schlimmeres verhindern zu können. Vorübergehende Selbstmordgedanken sind bei vielen Jugendlichen normal. Doch wie ernsthaft die Gefühle von Ausweglosigkeit sind oder die konkrete Planung ist, kann nur ein Jugendpsychologe erkennen. „Suizidabsichten können Ausdruck einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung sein oder einer Krise, die ohne professionelle Hilfe nicht bewältigt werden kann. Akute Krisensituationen können Zeugnisangst, Liebeskummer oder Schwangerschaftsangst sein, aber auch andauernde Belastungssituationen wie Mobbing, körperliche Misshandlung oder sexueller Missbrauch“, berichtet der Kinder- undJugendpsychiater. „Der familiäre Rückhalt ist von entscheidender Bedeutung für die Therapieplanung. Im Rahmen der Behandlung müssen dem Jugendlichen Wege aufgezeigt werden, wie sich seine Sicherheit im heimischen Umfeld verbessern kann“, so Dr. Spitczok von Brisinski.