Schwangerschaftsvorsorge oft lückenhaft

mp Berlin - Die gesetzliche Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland weist Lücken auf. Routinetests könnten Neugeborene besser vor Infektionen schützen.mp Berlin - Die gesetzliche Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland weist Lücken auf. Routinetests könnten Neugeborene besser vor Infektionen schützen.
AOK-Mediendienst

Die Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland ist nicht optimal. So können Infektionen, die von der Mutter meist unbemerkt verlaufen, das Leben ungeborener Kinder gefährden. Zudem können Frauen mit einer Kohlenhydratstoffwechselstörung an einer Diabetes mellitus während der Schwangerschaft erkranken, was ebenfalls eine große Gefahr für das Ungeborene bedeutet. Ein Routinetest auf diese Infektionen und Erkrankungen wird jedoch in der gesetzlichen Schwangerschaftsvorsorge nicht durchgeführt. Dabei ließe sich die Zahl der Kinder, die durch eine unerkannte Infektion der Mutter geschädigt werden, nach Meinung von Ärzten und Wissenschaftlern deutlich verringern. Voraussetzungen seien umfassende Screening-Untersuchungen aller Schwangeren. Auf zahlreiche Untersuchungen, die im Ausland längst obligatorisch zur Schwangerschaftsvorsorge gehörten, hätten Schwangere hierzulande keinen Anspruch, beklagt der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH), Matthias Borst. Er warnt davor, dass Deutschland in Sachen Schwangerschaftsvorsorge im internationalen Vergleich weiter zurückfallen könnte. Daher fordert Borst die regelmäßige Überprüfung der Mutterschaftsrichtlinien und ihre Anpassung an den Stand der medizinischen Erkenntnisse. Der dafür zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) solle sich den Empfehlungen ärztlicher Fachverbände oder des Robert-Koch-Institutes nicht verschließen, die sich beispielsweise für ein obligatorisches Toxoplasmose-Screening einsetzen. Allein durch diese Erkrankung würden jährlich rund 1 000 Neugeborene geschädigt. In Frankreich und Österreich sei diese Untersuchung seit Jahren obligatorisch, was zu einer deutlichen Verringerung der Erkrankungen beim Kind geführt habe.