Gentherapie bei Netzhaut-Dystrophie

mp Frankfurt/Main: Bei erblichen Augenkrankheiten können bereits nach der Geburt Teile der Netzhaut zugrunde gehen.mp Frankfurt/Main: Bei erblichen Augenkrankheiten können bereits nach der Geburt Teile der Netzhaut zugrunde gehen.Michael Lorenzet / pixelio.de

Erste klinische Studien haben die mögliche Wirksamkeit von Gentherapien für Netzhautdystrophien belegt. Bei dieser Krankheit gehen Teile der Netzhaut des Auges zugrunde – häufig bereits ab dem Säuglingsalter. Die Patienten leiden unter schweren Sehstörungen oder erblinden sogar völlig. Ursachen sind Veränderungen im Erbmaterial. Sie behindern die Entwicklung und Funktion der Netzhaut. Durch die genetischen Fehler nehmen auch die Sinneszellen Schaden, die Licht in Nervensignale umwandeln. „Jeder einzelne Gendefekt ist selten, doch insgesamt stellen erbliche Netzhautdystrophien die häufigste Ursache für Erblindungen im Alter von 21 bis 60 Jahren dar“, erläutert Professor Christian Ohrloff, Facharzt für Augenheilkunde in Frankfurt/Main. Bisher gab es keine wirksame Therapie, abgesehen von wenigen Ausnahmen, bei denen eine Ernährungsumstellung den Krankheitsverlauf mildert. Durch die neuen Studien werden die Therapiemöglichkeiten nun besser. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hofft jetzt: Eine Gentherapie könnte eine Netzhautdystrophie lindern, indem sie eine korrekte Version des defekten Gens in der Netzhaut installiert. Dafür spritzt der Arzt speziell veränderte Viren, welche das intakte Gen tragen, direkt unter die Netzhaut des Patienten. Bislang musste die Therapie erfolgen, bevor es zum Untergang der Sinneszellen gekommen war. In Zukunft könnten die Gene auch in Ersatzzellen der Photorezeptoren eingebaut werden. Dann würde selbst bereits erblindeten Menschen eine begrenzte Sehfähigkeit zurückgegeben werden können, hoffen die Experten. Doch bisher befinden sich diese Gentherapien noch in einem experimentellen Stadium, so die DOG.