Diabetes-Medikament mit Zusatzwirkung

mp Heidelberg/Boston - Bei fettleibigen Mäusen fanden Forscher heraus, dass ein Wirkstoff aus Diabetes-Medikamenten Entzündungen drosseln kann.mp Heidelberg/Boston - Bei fettleibigen Mäusen fanden Forscher heraus, dass ein Wirkstoff aus Diabetes-Medikamenten Entzündungen drosseln kann.Gabriela Neumeier / pixelio.de

Das Bauchfettgewebe von Übergewichtigen ist im Allgemeinen chronisch entzündet. Es gilt deshalb als eine der Hauptursachen für die Entwicklung von Diabetes-Typ-2 und für die Entstehung von Krebs. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und der Harvard Medical School in Boston haben nun im Mausversuch herausgefunden, dass ein Diabetes-Medikament die gefährliche Entzündung drosseln kann.Dr. Markus Feuerer vom Deutsches Krebsforschungszentrum, der bis vor kurzem an der Harvard Medical School forschte, machte die aufsehenerregende Entdeckung: Er fand im Bauchfettgewebe normalgewichtiger Mäuse eine Gruppe von spezialisierten Immunzellen, die so genannten „regulatorischen T-Zellen“. Ihre Funktion ist es, Entzündung in Schach zu halten. Im Bauchfett von fettleibigen Mäusen jedoch fehlen genau diese Anti-Entzündungs-Zellen fast vollständig. „Mit experimentellen Methoden konnten wir diese entzündungshemmenden T-Zellen in fettleibigen Mäusen vermehren. Daraufhin ging die Entzündung zurück, und der Zuckerstoffwechsel normalisierte sich“, erklärt Feuerer seine Entdeckung. Gemeinsam mit seinen ehemaligen Kollegen an der Harvard Medical School entdeckte er nun, das ein Zellkern-Protein mit dem Namen PPAR wie ein Hauptschalter funktioniert, der die Anti-Entzündungs-Zellen quasi an und aus schaltet. PPAR war für die Mediziner ein alter Bekannter. Denn er gilt als Zielmolekül von Diabetes-Medikamenten. Markus Feuerer und seine Kollegen testeten, ob die Medikamente auch direkt auf die entzündungshemmenden Immunzellen wirken. Dies ist offenbar der Fall. „Das ist eine völlig unerwartete Wirkung dieser bekannten Medikamentengruppe“, so Feuerer. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob die Ergebnisse auch auf Menschen übertragbar sind. „Wir müssen noch prüfen, ob diese Zellen tatsächlich die Entzündungen des Fettgewebes drosseln. Ein ganz wichtiges Ergebnis unserer aktuellen Arbeit ist darüber hinaus, dass wir erstmalig gezielt eine bestimmte Population der regulatorischen T-Zellen mit einem Wirkstoff ansprechen können. Das eröffnet Perspektiven für die Behandlung vieler Krankheiten“, so der Wissenschaftler.