Antibiotika erhöhen bei Säuglingen das Asthma-Risiko

mp Schmallenberg - Antibiotika, die Kindern in den ersten zwölf Lebensmonaten verabreicht werden, erhöhen das Asthma-Risiko.mp Schmallenberg - Antibiotika, die Kindern in den ersten zwölf Lebensmonaten verabreicht werden, erhöhen das Asthma-Risiko.Gerd Altmann / pixelio.de

Die Verabreichung von Antibiotika bei Säuglingen kann deren Risiko erhöhen, an allergischem Asthma zu erkranken. Eine einzige frühkindliche Antibiotika-Kur schadet dem Immunsystem möglicherweise bereits nachhaltig. Dies gilt vor allem, wenn sie in den ersten zwölf Lebensmonaten verabreicht wurde. Deshalb sollten die Bakterienkiller Säuglingen und Kleinkindern nur bei wirklich ernsthaften Krankheiten verschrieben werden, weil ihr Immunsystem sich noch in der Entwicklung befindet. „Eine aktuelle Studie aus Kanada zeigt, dass Antibiotika die Entwicklung des Immunsystems stören, weil sie als unerwünschte Nebenwirkung auch wichtige Bakterien der Darmflora abtöten, die am Aufbau des kindlichen Immunsystems beteiligt sind“, erläutert Professor Dieter Köhler, Leiter des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg. „Zwar handelt es sich hierbei um eine Untersuchung an Mäusen, deren Ergebnisse natürlich nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind. Trotzdem liefert sie weitere Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen nützlichen Darmbakterien in der natürlichen Darmflora und dem Immunsystem gibt: Wenn die Darmflora durch Medikamente verändert und durcheinander gebracht wird, scheint das die Funktionsweise des Abwehrsystems zu stören“, so Köhler. Die Folge kann eine erhöhte Empfindlichkeit für Immunkrankheiten wie Allergien und Asthma sein. Auch das Risiko für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und von Fettleibigkeit könnte zunehmen, so der Experte, wenn das Immunsystem aufgrund einer solchen Störung aus dem Gleichgewicht gerät. „Deshalb sollte die Notwendigkeit einer Antibiotika-Behandlung bei Säuglingen grundsätzlich sehr viel sorgfältiger abgewogen werden, als es leider immer noch oft der Fall ist“, mahnt Köhler, „schließlich muss längst nicht jede Infektion im Kindesalter mit Antibiotika behandelt werden, zumal für die meisten Infekte der oberen Atemwege Viren – und nicht Bakterien – verantwortlich sind. Gegen Viren eingesetzte Antibiotika sind aber bekanntlich nicht nur wirkungslos, sondern fördern außerdem die Resistenzbildung bei Bakterien.“