Antibiotika-Debatte in der industriellen Tierhaltung

mp Berlin - Artgerechte Tierhaltung ist angesagt.mp Berlin - Artgerechte Tierhaltung ist angesagt.Regina Kaute / pixelio.de

Eine Schlagzeile jagt die andere - Fleisch aus Massentierhaltungen birgt gesundheitliche Risiken. Entsprechend werden von der Politik Gesetzesänderungen gefordert. Erst jüngst entdeckte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) antibiotikaresistente Keime auf Hähnchenfleisch und fordert das Bundesagrarministerium zum Handeln auf. Bereits geplante Änderungen des Arzneimittelgesetzes kritisiert er als unzureichend. Es fehle ein wirksames Verbot, Humanantibiotika in der Tierhaltung einzusetzen. Und gerade das ist von besonderer Bedeutung für unsere gesundheitliche Zukunft. Auf die Gefahr, immer neue, gegen diese Antibiotika resistente Bakterienstämme zu züchten, kann nicht oft genug hingewiesen werden. Ist doch die Folge davon, dass irgendwann beim Menschen keine Infektionen mehr behandelt werden können. Ein Zustand wie er vor der Entdeckung des Insulins herrschte.Auch müsse ein klares Ziel formuliert werden, Antibiotika generell zu reduzieren. Tierärzte sollten dazu verpflichtet werden, vor Verordnung eines Antibiotikums immer den Krankheitserreger zu bestimmen. Zudem gäbe es für die Mediziner noch zu viele Anreize, an dem Antibiotikaeinsatz zu verdienen. Von ganz entscheidender Bedeutung sei es aber, die Ursachen des Problems zu bekämpfen. Dazu gehöre es, die Standards für die Tierhaltung deutlich zu verbessern. Schon bessere Haltungsbedingungen erforderten weniger Antibiotika. Darüber hinaus müsse man für einen langfristigen Schutz der Umwelt und der Verbraucher die Subventionen der industriellen Landwirtschaft abbauen. Dass der Gesetzgeber hier in der Pflicht ist, durch Gesetzesänderungen die Missstände zu beheben, daran besteht kein Zweifel. Schon zum Wohl der Tiere. Doch auch der Verbraucher kann durch verantwortliches Handeln viel zur Verbesserung beitragen.Nach wie vor ist es ein Gesetz der freien Marktwirtschaft, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Natürlich kann man die Hersteller dazu verpflichten, ihre Produktionsbedingungen art- und umweltgerecht zu gestalten. Auch kann man im Nachhinein Händler dazu auffordern, kritische Lebensmittel aus den Regalen zu nehmen. Doch würde das in Massen produzierte, preisgünstige Fleisch nicht gekauft, stünde es erst gar nicht im Supermarkt. Entscheidet man sich als Verbraucher für Fleisch aus artgerechter und nachhaltiger Tierhaltung, wie es beispielsweise von Biobauern angeboten wird, tut man seiner Gesundheit und der Umwelt schon einen großen Gefallen. Damit allein ist es jedoch nicht getan. Seit Jahren steigt der Fleischverbrauch kontinuierlich an. Dieser Bedarf kann auch künftig nicht allein durch Biofleisch gedeckt werden. Deshalb ist ein Umdenken der Verbraucher dringend vonnöten. Nur wenn jeder die Menge seines Fleischkonsums kritisch überdenkt, ist eine positive Veränderung der Produktionsbedingungen langfristig möglich. Maßnahmen durch den Gesetzgeber zu fordern, ist die eine Seite. Den Anbietern den Markt zu verweigern, die andere.