Ärztinnen in Führungspositionen: Fehlanzeige

Im Arztberuf ist es für Frauen um einiges schwieriger, wirklich Fuß zu fassen und weiterzukommen als für Männer. Von den rund 70 Prozent Studienabsolventinnen im Fach Medizin ergreifen 60 Prozent den Beruf als Ärztin. Aber nur 5 bis 10 Prozent der medizinischen Führungspositionen sind mit Frauen besetzt*. Wie auch in anderen Sparten sind es vor allem Ärztinnen mit Kindern, die vielfach schwere Hürden zu überwinden haben. Studienabsolventinnen mit Kind scheitern häufig schon vor ihrer Facharztprüfung an dem unflexiblen Arbeitszeitkonzept im ärztlichen Bereich.Dabei würde die medizinische Qualität bei Teilzeitarbeit nicht in Mitleidenschaft gezogen. Im Gegenteil: „Zwei Ärztinnen in Teilzeit arbeiten wie 200 Prozent - strukturiert, verlässlich, nichts bleibt liegen“, so Frau Professor Dr. med. Marion Kiechle, Ärztliche Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Mit dem geeigneten - das bedeutet flexiblen - Teilzeitmodell kann auch eine Chirurgin ihrem Beruf nachgehen und dennoch ein erfüllendes Familienleben führen. Denkbar wäre in diesem Fall zum Beispiel auch tages- oder wochenweise Teilzeitarbeit. Gute Kinderbetreuungsplätze für den Nachwuchs der ärztlichen Mitarbeiterinnen in den Kliniken selbst sind nach wie vor kein Standard. Das macht den Arbeitsplatz in einem Klinikum weniger attraktiv. Übrigens auch für Familienväter! Und das in Zeiten, in denen die Kliniken dringend nach gut ausgebildeten Ärzten suchen.Bei einer Podiumsdiskussion, die zum Erscheinen der neuen Zeitschrift „XX – Die Zeitschrift für Frauen in der Medizin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) in München stattfand, raten die fünf Herausgeberinnen den Frauen, in die Offensive zu gehen und übliche Grenzen zu sprengen.„Macht, was Euch erfüllt – sei es Chirurgie oder Gastroenterologie“, so der Aufruf von Professor Dr. Doris Henne-Bruns, Deutschlands erster Ordinaria (C4 Professur) für Allgemeinchirurgie.*Studie 2011 „Ich bin Ärztin.“ Studie zur Arbeitssituation und Zufriedenheit von Frauen in der Medizin. Dr. med. Astrid Bühren, Dr. oec. Anke Tschörtner © Georg Thieme Verlag KG 2011 1