21.000 Arbeitstage gehen durch Depressionen verloren

21.000 Arbeitstage gehen in Europa durch Depressionen verloren. Laut einer neuen Umfrage der European Depression Association (EDA) ist jeder zehnte befragte Arbeitnehmer in Europa aufgrund von Depressionen seinem Arbeitsplatz ferngeblieben, wobei pro Krankheitsfall durchschnittlich 36 Arbeitstage verloren gehen.

Trotz des Ausmaßes dieses Problems berichtet aber beinahe jede dritte Führungskraft, über keine offizielle Unterstützung oder Hilfsmittel für den Umgang mit depressionskranken Mitarbeitern zu verfügen. 43 % forderten verbesserte Richtlinien und Gesetze zum Schutz der Mitarbeiter.

 

Politiker sind gefordert


Stephen Hughes, Mitglied des Europäischen Parlaments äußerte sich zu den Ergebnissen: "Depression am Arbeitsplatz ist ein arbeitspolitisches und gesellschaftliches Problem, das schweren Schaden anrichtet und Aufmerksamkeit sowie Maßnahmen von der Europäischen Union erfordert. Die Einbeziehung der Depression am Arbeitsplatz in die neue Strategie der Europäischen Kommission für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, in den kommenden Jahren durch gesetzgeberische Maßnahmen gestützt, würde einen herausragenden Fortschritt darstellen, um Arbeitnehmer in Europa wirksamer zu schützen und letztendlich zu wirtschaftlichem und sozialem Wohlstand beizutragen."

 

Spitzenwert in Großbritannien


Depression ist die vorherrschende psychiatrische Störung bei Menschen im erwerbsfähigen Alter, und mehr als 30 Millionen europäische Bürger werden zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an Depression leiden. In der IDEA-Umfrage (Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit) wurden über 7.000 Menschen in Europa befragt. Das Ergebnis war, dass 20 % der befragten Personen irgendwann mit Depression diagnostiziert worden waren. Die höchste Rate verzeichnete Großbritannien (26 %), die niedrigste Italien (12 %). Arbeitnehmer in Deutschland (61 %), Dänemark (60 %) und Großbritannien (58 %) blieben am ehesten aufgrund ihrer Depression dem Arbeitsplatz fern, während nur 25 % der Arbeitnehmer in der Türkei berichteten, sich von der Arbeit freigenommen zu haben.

 

92 Milliarden Kosten


Die Kosten für Depression wurden im Jahr 2010 in der EU auf 92 Milliarden Euro geschätzt, wobei Produktivitätsverlust aufgrund von Absentismus (Fehlen am Arbeitsplatz) und Präsentismus (Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Erkrankung) über 50 % aller Kosten im Zusammenhang mit Depression ausmachten. Bei der IDEA-Umfrage betrug die durchschnittliche Anzahl von Arbeitstagen, die während des letzten depressiven Episode versäumt wurde, 36 Tage, wobei Deutschland und Großbritannien die höchste Anzahl (41 Tage) und Italien (23 Tage) die niedrigste Anzahl verzeichneten.

 

Arbeitgeber nicht unterrichtet


Trotz der depressionsbedingten hohen Ausfallraten gab jeder vierte Arbeitnehmer an, seinen Arbeitgeber nicht über seine Depression unterrichtet zu haben. Jeder dritte unter ihnen erklärte, in der gegenwärtigen Wirtschaftslage um seinen Arbeitsplatz zu fürchten. Die kognitiven Symptome der Depression (Konzentrationsschwierigkeiten, Unentschlossenheit und/oder Vergesslichkeit) verursachen erhebliche Beeinträchtigungen der Arbeitsausübung und Produktivität und sind bei einer depressiven Episode 94 % der Zeit vorhanden. Die Umfrage zeigt allerdings, dass das Bewusstsein für diese Symptome relativ unterentwickelt ist: Bei einer Befragung nach den Anzeichen einer Depression gaben nur 33 % Vergesslichkeit, 44 % Unentschlossenheit und 57 % Konzentrationsschwierigkeiten an. Im Gegensatz dazu identifizierten 88 % gedrückte Stimmung und Traurigkeit als Anzeichen für Depression.

 

Mangel an Unterstützung


Unter den befragten Führungskräften berichtete beinahe jeder Dritte, keine offizielle Unterstützung für den Umgang mit depressiven Mitarbeitern zu erhalten. Der Mangel an Unterstützung war in Deutschland am höchsten (51 %) und in der Türkei am niedrigsten (10 %). Führungskräfte in Großbritannien (55 %) erhielten am ehesten Unterstützung von ihrer Personalabteilung, während Führungskräfte in der Türkei am ehesten Unterstützung von einer medizinischen Fachkraft erhielten (79 %).

 

Bessere Gesetzgebung gefordert


Führungskräfte, die nach Maßnahmen zur Unterstützung von depressiven Arbeitnehmern am Arbeitsplatz befragt wurden, gaben am häufigsten mehr Beratungseinrichtungen sowie verbesserte staatliche Rechtsvorschriften und Richtlinien an. In der Türkei forderten Führungskräfte am ehesten bessere Gesetzgebung (55 %) und Schulung aller Mitarbeiter (63 %). Englische und Türkei Führungskräfte wollten bessere Beratungseinrichtungen (jeweils 56 % und 53 %), während deutsche Führungskräfte als erstes eine Schulung der Vorgesetzten nannten (53 %).
Dr. Vincenzo Costigliola, President der European Depression Association, erklärte: "Die Ergebnisse der IDEA-Umfrage zeigen, dass viel zur Bewusstseinsschärfung sowie zur Unterstützung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getan werden muss, um Depression am Arbeitsplatz zu erkennen und in den Griff zu bekommen. Wir fordern Entscheidungsträger auf, die Auswirkungen von Depression am Arbeitsplatz zu prüfen, und beauftragen sie damit, den Entwurf einer verbindlichen Gesetzgebung einzuleiten, die sich mit Depression sowie der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Mitarbeiter beschäftigt."

 

European Depression Day


Die European Depression Association (EDA) ist eine Allianz aus Organisationen, Patienten, Forschern und medizinischen Fachkräften aus 17 Ländern in ganz Europa. Jedes Jahr am 1. Oktober organisiert die EDA den European Depression Day, um das Bewusstsein für Depression in ganz Europa zu schärfen. Das diesjährige Thema der Kampagne ist „Depression am Arbeitsplatz“.